Zum Inhalt springen

Warum du nicht gendern solltest – 7 Strategien, wie Du es richtig machst

«Mama, ich will Automechaniker werden.»

«Sicher nicht. Das ist ein Männerberuf.»

Genau diese Diskussion hatte ich vor 30 Jahren mit meiner Mutter. Zum Glück war meine Leidenschaft für Sprachen größer als die fürs Schrauben und Handwerken. So musste ich die Konversation nie zu Ende führen. Ich erinnere mich noch genau, wie das erste Mädchen an meiner Schule eine Ausbildung zur Schreinerin machte.

Damals ein Skandal. Heute ganz normal.

Heutzutage sind viele Menschen – zumindest in Zentral- und Westeuropa – sensibilisiert für die Vielfalt der Geschlechteridentitäten. Es würde jetzt niemanden mehr jucken, wenn meine Tochter Elektrotechnikerin, Schornsteinfegerin oder Profi-Fussballerin wird.

Ein bisschen schwerer mit der Gender-Thematik tut sich die deutsche Sprache. Von vielen Seiten wird nach einer inklusiven Sprache gerufen, aber wie genau soll diese aussehen?

Im Englischen ist es so schön einfach, denn sowohl J.D wie auch Elliot Reid sind ‘a doctor’ und wenn ich über ‘a pirate’ spreche, könnte ich entweder Jack Sparrow oder Elizabeth Swann meinen. In dieser geschlechtsneutralen Sprache kommt die Problematik gar nicht erst auf.

Die deutsche Sprache, dagegen, muss sich intensiv mit der Gender-Frage auseinandersetzen.

In diesem Artikel möchte ich Dich nicht davon überzeugen, dass Du unbedingt gendern sollst. Ich zeige Dir, wie das Gendern Deine Marktposition und Deine Zielgruppe beeinflussen – sowohl positiv als auch negativ. Die Entscheidung zu gendern oder nicht, ist schwierig, aber – BWM und Yuh zeigen es – sie schafft eine starke Markenidentität.

Eines ist klar: Durch bewusstes Gendern oder den Verzicht darauf sendest Du ein starkes Signal an Deine Zielgruppe. Je besser Du Deine Zielgruppe kennst, desto gezielter kannst Du entscheiden, ob und wie Du gendern möchtest. Schlussendlich geht es darum, Deine Wunschkundinnen zu erreichen und die Kunden rauszufiltern, die nicht zu Deinen Werten passen.

Darum solltest Du in deinen Businesstexten gendern – oder auch nicht

Sprache ist Macht.

Worte erzeugen Bilder im Kopf und sie können unsere Wahrnehmung der Welt beeinflussen. Gerade in der Gender-Thematik spielt Sprache eine entscheidende Rolle: Sie kann Stereotypen aufrechterhalten. Sie kann aber auch dazu dienen, unsere Vorstellung von Geschlechterrollen zu verändern und die gesellschaftlichen Normen zu hinterfragen.

Welches Bild willst Du in den Köpfen Deines Zielpublikums erzeugen?

Oder anders: Welches Weltbild und welche Werte hat Dein Zielpublikum?

Warum Gendern sinnvoll sein kann:

  1. Zielgruppenorientierung: Gendergerechte Sprache signalisiert, dass Du alle Geschlechter ansprichst und wertschätzt. Inklusivität und Diversität sprechen besonders jüngere Generationen und die LGBTQ+-Community an.
  2. Markenimage: Eine gendergerechte Kommunikation kann Dein Markenimage modern und offen wirken lassen. Du kannst Dich damit positiv von der Konkurrenz abheben, denn es gibt noch nur wenige Unternehmen, die konsequent eine gendergerechte Sprache nutzen.
  3. Kundenbindung: Durch gezieltes Gendern kannst Du Kundinnen ansprechen, die Deine Werte teilen, und so eine stärkere Bindung aufbauen.

Beispiel: Das Schweizer Fintech-Unternehmen Yuh legt großen Wert auf Diversität und Inklusion und kombiniert gendergerechte Sprache mit der Du-Kultur. Damit hebt sich Yuh stark von traditionellen Banken ab und positioniert sich klar als innovative, moderne Bank, die besonders junge Menschen anspricht. 

Warum Du auf Gendern verzichten solltest:

  1. Zielgruppenorientierung: Gewisse Zielgruppen schreckst Du mit einer gendergerechten Sprache ab. Zum Beispiel ältere Menschen oder solche aus einem konservativen Umfeld können damit meist wenig anfangen.
  2. Lesefluss und Verständlichkeit: Das Gendern kann Deine Texte komplizierter machen und den Lesefluss stören. Für bestimmte Textarten und Zielgruppen ist klare, einfache Sprache wichtiger. Zum Beispiel in Gesetzestexten oder in technischen Dokumenten.
  3. Markenstrategie: Manche Marken setzen bewusst auf traditionelle Kommunikation, um ein bestimmtes Image zu bewahren. Hier kann Gendern kontraproduktiv sein.

Beispiel: Der Automobilhersteller BMW hat sich bewusst gegen gendergerechte Sprache entschieden. Sie argumentieren, dass geschlechtergerechte Formulierungen nicht notwendig in ihrem Unternehmen nicht nötig sind, denn es gibt eh keine Diskriminierung bei ihnen. Diese Haltung passt zu ihrem traditionellen Markenimage und spricht ihre Zielgruppe besser an​​.

Es gibt also starke Argumente für das Gendern und genauso starke dagegen. Ob Du es tust oder nicht, sollte zu Deinen Werten passen und zu denen Deiner Wunschkundinnen.

In meinen Texten siehst Du, dass ich immer gendere. Meine Werte sind Direktheit, Offenheit, Wachstum, Enthusiasmus und Harmonie. Die passen hervorragend zu den Werten, die das Gendern ausdrückt: Gleichberechtigung, Vielfalt, Fortschritt, Harmonie und Offenheit.

Diese beiden Fragen können Dir dabei helfen zu entscheiden, ob Du gendern solltest oder nicht:

7 Strategien zu gendern, ohne Deinen Text zu verunstalten

«Unser*e Kundenberater*innen sind Mitarbeiter*innen, die jede*n Kunden*Kundin gerne beraten und ihn*sie in ihrer*seiner Entscheidung unterstützt.»

Bei dem Satz hat sich jemand richtig Mühe gegeben, korrekt zu gendern. Aber verstanden habe ich nichts. Du vielleicht?

Das Gesetz im Marketing lautet: Wer verwirrt, verliert.

Wenn Du Dich dafür entscheidest, in Deiner Business-Kommunikation zu gendern, dann darf das die Lesbarkeit Deiner Texte und die Verständlichkeit Deiner Botschaft nicht stören.

Momentan gibt es noch keine strikten Regeln, wie man im Deutschen gendern soll. Der Vorteil davon ist, Du kannst Dir die Strategie aussuchen, die Dir am besten gefällt. Doch wenn Du zu viele mischst,  verwirrt das Deinen Leser.

Hier sind die 7 geläufigsten Strategien:

#1 Genderzeichen

  • Binnen-I: StudentIn
  • Schrägstrich: Student/-in
  • Sternchen: Student*in
  • Gender Gap: Student_in
  • Doppelpunkt: Student:in

Ich persönlich nutze den Doppelpunkt: Er fügt sich nahtlos in den Text ein, fällt kaum auf und ist von KI-Programmen einfach zu lesen. Dadurch können auch Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen den Text verstehen.

Beispiel: «Alle Mitarbeiter:innen sind herzlich eingeladen, an diesem Event teilzunehmen.»

#2 Doppelnennungen

Du nennst in einem Zug beide Formen: die weibliche und die männliche. So bist Du sicher, dass alle Menschen sich angesprochen fühlen. Wenn Du diese Strategie allerdings im ganzen Text anwendest, kann sie ihn auch unglaublich lang machen.

Beispiel: «Für uns zählt die Meinung von jedem Kunden und jeder Kundin.»

#3 Partizip-Formen

Du nutzt die Partizip-Form des Verbes, das die Person beschreibt. Diese Variante wird häufig in der Behördensprache genutzt und ist eher formell. Auch ein bisschen langweilig.

Beispiel: Statt «Teilnehmer» und «Mitarbeiter»: «Alle Teilnehmenden werden von unseren Mitarbeitenden persönlich begrüsst.»

#4 Umschreibungen der Tätigkeit

Kommen wir jetzt zu den kreativen Arten, wie Du gendern kannst.

Anstatt die Person durch ein Verb zu charakterisieren, wie bei #3, kannst Du stattdessen ihre Tätigkeit umschreiben. Verben machen Deinen Text ausserdem viel lebendiger und sie aktivieren die Menschen, die Deinen Content lesen.

Beispiel: Statt «Kursteilnehmer» und «Führungskraft»: «Wenn Sie an diesem Kurs teilnehmen, dann führen Sie täglich viele Menschen in Ihrem Unternehmen.»

#5 Genderneutrale Worte

Eine elegante Art, die Gender-Problematik zu umgehen, ist die, genderneutrale Worte zu nutzen. Präge deine eigenen Wortkombinationen und leg Dir Deine eigene Liste von Wörtern an, die Du flexibel mit anderen kombinieren kannst, wie «-genie», «-begeisterte» und «-legende».

Beispiel: Statt «Sportler» und «Ansprechpartner»: «Bei uns hat jede Sportlegende eine eigene Ansprechperson.»

#6 Direkte Anrede

Wenn du deine Wunschkunden ganz natürlich und locker ansprechen möchtest, dann tu das direkt und ohne langes Drumherum-Reden. Vergiss Kategorien; hier zeigst Du Deiner Gesprächspartnerin, dass Du ganz für sie da bist und Du eine echte Verbindung schaffen möchtest.

Beispiel: Statt «Verspannte Menschen»: «Deine Muskeln sind verspannt und du kannst es gar nicht erwarten, richtig schön durchgeknetet zu werden?»

#7 Männliche und weibliche Formen im Text verteilen

Diese Gender-Form finde ich sehr subtil und am elegantesten. Du verteilst einfach wahllos männliche und weibliche Formen in Deinem Text und alle Menschen fühlen sich angesprochen. Ich empfehle diese Strategie allerdings nur in längeren Texte, denn in kurzen Texten hat sie kaum Zeit zu wirken und herauszustechen.

Beispiel: Als Beispiel kannst Du Dir meine Website oder meine Blogartikel anschauen.

Deine Werte und Zielgruppe analysieren – So geht’s jetzt weiter

Früher habe ich immer gedacht, Gendern ist unnötig ist und macht die eh schon komplexe deutsche Sprache nur noch komplizierter. Ich habe immer mit männlichen Formen genauso angesprochen gefühlt wie mit weiblichen.

Heute weiss ich, dass nicht alle Menschen so denken wie ich.

Viele Menschen fühlen sich nicht angesprochen, wenn ich in meinen Texten nur das generische Maskulinum nutze. Und weil es zu meinen Werten nicht passt, gewisse Menschen in meiner Kommunikation auszuschliessen, gendere ich jetzt.

Ausserdem habe ich festgestellt, dass ich mit den oben genannten Strategien meine Texte weder kompliziert mache noch unleserlich. Wenn ich mir beim Texten Mühe gebe, dann sind sie trotz gendern leicht verständlich und schaffen einen guten Lesefluss.

Aber bevor Du die Entscheidung triffst, zu gendern oder nicht, musst Du ganz genau Deine eigenen Werte analysieren und die Deiner Wunschkunden. Passt das Gendern zu euch?

Wenn Du Deine eigenen Werte und die Deiner Zielgruppe kennst und weisst, welche Wunschkundinnen Du anziehen möchtest, dann fällt die Entscheidung zu gendern oder nicht, ganz leicht.

Und wenn Du Dich für das Gendern entscheidest, dann bleibt Dir jetzt nur noch eins übrig: Ausprobieren, welche Strategie am besten zu Dir passt.

Falls Du dabei Unterstützung oder konkrete Tipps möchtest, dann melde Dich einfach bei mir. Ich helfe Dir gerne dabei.

Leb frei, schreib wild


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert